Batterien werden unsere Pumpenspeicherkraftwerke ersetzen – Utopie oder bald Realität?

von Philippe Derron | 31.07.2015

Dank unseren Wasserkraftwerken wird die Schweiz noch immer gerne als „Batterie Europas“ bezeichnet. Naja, aber auch die leistungsstärkste Batterie ist ohne Kabel nutzlos -Ich habe diese bittere Erfahrung leider selbst schon mit meinem Auto machen müssen.

Die Stromleitungen von der Schweiz nach Deutschland sind heute schon zu 100% ausgelastet. Selbst in der Schweiz fehlt es an Stromleitungen – wie beispielsweise im Wallis, wo die Netze der maximalen Stromproduktion nicht standhalten würden.

Der Bau neuer Leitungen scheint jedoch als Lösung nicht wirklich attraktiv zu sein – die gesellschaftliche Abwehrhaltung gegen neue Netze ist allgegenwärtig. Angst vor Strahlung und Verhunzung des Landschaftsbildes sowie der Anspruch auf das Land hätte mehrjährige Rechtsstreits zur Folge.

Wenig öffentliche Aufmerksamkeit haben bis anhin die chemischen Batterien erhalten, obwohl sie bereits einen Absatzmarkt aufweisen. Diese Batterien können zu Hause oder punktuell im Netz installiert werden - Verbrauchsspitzen können so gebrochen werden.

Hierzu noch ein paar interessante Fakten:

Der Preis einer chemischen Batterie hat sich innert kürzester Zeit halbiert. Eine Haushalts-Batterie mit interessanter Speicherkapazität (fast ein Tag Autonomie) kann für 3‘500 CHF gekauft werden. Auch wenn Batterien normalerweise nicht gerade durch pure Ästhetik glänzen, sieht so eine Batterie nicht mal so schlecht aus.

Für das Netz kostet heute eine MWh Speicher (das reicht, um mich ein halbes Jahr zu versorgen) eine Million (für die muss ich jedoch etwas länger arbeiten…)

Nebst den chemischen Batterien wird auch an anderen Technologien geforscht (Luft, Wärme etc.) mit dem Ziel eine Batterie zu entwickeln, die überflüssige Energie speichern kann.

Es ist natürlich nicht zu bestreiten, dass unsere Stauseen immense Speicherkapazitäten gegenüber einer „kleinen Batterie“ haben aber die Vorteile einer Batterie sind dennoch sehr überzeugend – sie kann einfach installiert werden ohne zusätzliche Leitung und zudem kann man sie genau dimensionieren damit sie den effektiven lokalen Bedarf deckt. Das ist Kapital-technisch deutlich effizienter…

Die Entwicklung bleibt spannend – Batterielösungen stecken zwar noch in den Kinderschuhen jedoch sollte diese Entwicklung aufmerksam verfolgt und dem Potential Beachtung geschenkt werden – die Auswirkungen dieser Entwicklung könnte eine Verlagerung in der Energiebranche weg von der zentralen zu einer dezentralen Produktion zur Folge haben. Ein spannendes Szenario… Sieht vielleicht sogar die Ära der Wasserkraftwerke dem Ende entgegen?