Lösen Batteriespeicher unser Problem wirklich?

von Frank Oehmichen | 08.12.2017

Man muss sich schon die Frage stellen, ob unser CO2-Problem in der Zukunft durch den aktuellen Hype bei Elektromobilität und Batteriespeichern gelöst werden kann. Kritisch hinterfragt könnte man zum Schluss kommen: Unser weltweites CO2-Problem steht in 10 Jahren nicht besser da, sondern exponentiell dramatisch schlechter.

Begründung:
Legt man die ökologische Vorbelastung eines Elektrofahrzeugs allein durch die Produktion der Akkus zu Grunde, kann man errechnen, wann die CO2-Ökobilanz der Fahrzeuge ausgeglichen ist. Grob und auf der Basis von Mittelwerten zusammengefasst ergibt sich ein Bild, das vor allem für ein grosses eAuto schlecht ausfällt: Mit einem handelsüblichen europäischen Fahrzeug mit Verbrennungsmotor kann ein typischer Verbraucher demnach ganze 8 Jahre fahren, bevor das Auto die Umwelt so stark belastet wie die Akku-Produktion für ein grosses eAuto mit 86 kWh. (Quelle: mobilegeeks.de)

Fazit:
Das bedeutet doch nichts anderes, als dass der CO2-Ausstoss dank der Batterie-Nachfrage kurzfristig statistisch exorbitant zunehmen wird: es wird sofort CO2 erzeugt, für welches ein handelsüblicher Verbrennungsmotor durchschnittlich 8 Jahre benötigt. Damit treiben wird doch den CO2-Ausstoss kurzfristig extrem nach oben und reduzieren diesen nicht.

Der herbe Beigeschmack:
„Die Verknappung lässt die Preise explodieren: Allein in diesem Jahr hat sich der Kobalt-Preis laut der Londoner Metallbörse LME von etwa 30‘000 auf rund 60‘000 Dollar je Tonne verdoppelt. Der Boom der E-Autos, die Angst vor Versorgungsengpässen und die instabile politische Situation im Kongo treiben die Preise. Mehr als die Hälfte der weltweiten Kobalt-Förderung stammt aus dem Bürgerkriegsland in Zentralafrika. Millionen bettelarmer Minenarbeiter buddeln das Metall dort unter menschenunwürdigen Bedingungen mit bloßen Händen aus der Erde. Auch zehntausende Kinder schuften laut Unicef in den Steinzeit-Minen.“ (Quelle:  n-tv.de)

Der Verdacht liegt hier nahe, dass der erwirtschaftete Ertrag nicht den einfachen Arbeitern zu Gute kommt!

In unserer westlichen Welt freuen sich die Städte und drücken Ihre Feinstaubstatistik auf die gewünschte Quote - „hoffentlich“. Die Wirtschaft freut sich und kann kurzfristig neue Marktsegmente bedienen. Und die Politiker freuen sich, weil Sie etwas für die Umwelt unternehmen.

Was ist aber, wenn man in 10 Jahren feststellt, dass zwar sehr viele Elektrofahrzeuge im Umlauf sind, die alten gebrauchten herkömmlichen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor aber weiterhin in weniger reicheren Länder genutzt werden? Wie ergeht es denn unserer weltweiten CO2-Statisktik, wenn die hochgesteckten Verkaufszahlen für Elektroautos und Batteriespeicher tatsächlich erreicht werden? Was ist aber, wenn wir im Jahr 2027 feststellen, dass ein Batteriespeicher doch keine so „saubere Lösung“ ist? Stehen wir dann vor einer noch viel grösseren Herausforderung?

Ich bin sehr vorsichtig. Ich befürchte, unser CO2-Problem wird damit kurz- bis mttelfristig nicht zu lösen sein. Wie sehen Sie das?